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Börsen-Lexikon

Vertrauensverlust

engl.: lack of confidence

1.) Die (plötzliche) Einschätzung der (internationalen) Gläubiger, dass ein Staat seine Schulden aufgrund sehr hoher Zinsbelastung oder anderer Umstände nicht mehr bedienen kann. Dies führt zu einem raschen Abzug von Kapital und einem Versiegen von Neuzuflüssen, wie etwa 1999 im Falle Brasiliens und 2000 im Falle der Türkei zu beobachten. Der Internationale Währungsfonds hat seither verschiedene Strategien entwickelt, um in diesen Fällen das Schlimmste zu vermeiden.

2.) Schlimme Erwartungen der Wirtschaftssubjekte hinsichtlich der Politik der (neuen) Regierung und der Zentralbank. Dies löst eine Kapitalflucht aus (wie etwa Ende 2005 nach der Wahl des Sozialisten Evo Morales zum Präsidenten Boliviens); und selbst hohe Strafandrohungen verhindern dann nicht Kapitalflucht bzw. das Ausweichen in eine Nebenwährung.

3.) Häufig plötzlich auftretende entmutigende Erwartungen hinsichtlich des Verlaufs volkswirtschaftlicher Krengrössen bzw. der Entwicklung auf dem Finanzmarkt. Das kann wie im Gefolge der Subprime-Krise in eine gar weltweite Finanzkrise einmünden, bei der auch der Interbankenmarkt austrocknet, weil jedes Institut dem anderen misstraut (in diesem Falle hinsichtlich des Bestandes an toxischen Papieren und der Werthaltigkeit ausgewiesener Aktiva ). Ein Stimmungs-Umschwung ist in einer solchen Lage erfahrungsgemäss wohl nur mit kräftiger Hilfe des Staates zu erreichen.

Siehe Bankenkrise, Dollarisierung, Euroisierung, Finanzmarktstabilisierungsanstalt, Furchtthese, Interbankenmarkt, Londoner Verfahren, Minhas-Gerais-Problem, Prager Verlautbarung, Risikowahrnehmung, Rush to the exit, Staatsschulden, verweigerte, Stop Loss Rules, Vorschatten-Effekte

Das Aktien- und Finanzlexikon von Aktien Prognose: ® Professor Dr. Gerhard Merk, Universität Siegen.