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Börsen-Lexikon

Rotationsprinzip

engl.: rotation system

Die Sozialpsychologie lehrt und Erfahrung zeigt, dass eine Gruppe ab einer bestimmten Grösse sich in ihren Beziehungen auf vielfältige Weise ändert, was bei entscheidungsfindenden Gruppen gleichzeitig mit einem erheblichen Verlust an Handlungsfähigkeit einhergeht. In der Fachliteratur wird oft die Zahl fünfzehn als Grenze genannt. Beim EZB-Rat hat man im Dezember 2008 durch Beschluss die Grenze auf achtzehn gesetzt. Danach muss das geldpolitische Entscheidungsgremium der EZB erst dann zu einem anderen Abstimmungsverfahren wechseln, wenn der gemeinsame Währungsraum mehr als achtzehn Staaten umfasst. Man entschied sich zu folgendem Verfahren: die Stimmrechte unter den Zentralbankpräsidenten rotieren nach einem Monat. Die Anzahl der rotierenden Präsidenten ergibt sich aus der Differenz zwischen der Anzahl der Präsidenten und der Anzahl der jeder Gruppe zugeteilten Stimmrechte abzüglich zwei, wobei im Fall einer negativen Zahl der absolute Wert gilt. Dieses Rotationsmodell soll es ermöglichen, kurze Zeiträume ohne Stimmrecht für die einzelnen Präsidenten mit einer vergleichsweise beständigen Zusammensetzung des stimmberechtigten Kollegiums zu verbinden. - Die Kritik gegen diesen Beschluss der EZB richtete sich weniger gegen das Verfahren, als vielmehr gegen die Zahl achtzehn, die als bei weitem zu hoch angesehen wird. Denn neben den achtzehn Zentralbankpräsidenten gehören auch die sechs Mitglieder des Direktoriums der EZB dem EZB-Rat an, gesamthaft also vierundzwanzig Personen. Im Federal Reserve System der USA entscheiden zwölf, bei der Bank of England neun stimmberechtigte Personen. - Bei der EZB sehen Kritiker die Gefahr, dass es angesichts der schwer überschaubaren Gremiums ausserhalb des EZB-Rats im Vorfeld er Sitzungen zu Zusammenkünften im kleineren Kreis und entsprechenden Absprachen kommt. Vgl. Geschäftsbericht 2008 der Deutschen Bundesbank, S. 84 (beschlossene Regelung im EZB-Rat), Monatsbericht der EZB vom Juli 2009, S. 101 ff. (Erläuterung des Rotations-Verfahrens; Übersichten).

Das Aktien- und Finanzlexikon von Aktien Prognose: ® Professor Dr. Gerhard Merk, Universität Siegen.